Abhängigkeit
Als Abhängigkeit oder auch Sucht wird der ständige und immer wieder auftretende Bedarf nach einer bestimmten Sache bezeichnet.
Tabakabhängigkeit
Tabakrauchen erzeugt bei 70 bis 80% der Raucher/innen eine Abhängigkeit. Der Hauptwirkstoff dafür ist das Nikotin. Das Suchtpotential des Tabakrauchens ist vergleichbar mit dem von Heroin.
Woran erkennen Sie eine Abhängigkeit?
Zeichen für eine Abhängigkeit sind zum Beispiel ein starkes Verlangen nach Zigaretten (speziell am Morgen), vergebliche Versuche aufzuhören, der Konsum von zehn und mehr Zigaretten am Tag und die Vernachlässigung anderer Aktivitäten, um rauchen zu können. Neben der körperlichen Sucht nach Nikotin kann auch ein Lerneffekt im Gehirn oder Gruppendruck im Freundeskreis die Abhängigkeit verstärken.
Im ICD-10 (International Classification of Diseases, dzt. 10. Ausgabe) ist die Tabakabhängigkeit als Krankheit definiert. Damit ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Konsum von Tabakprodukten nicht nur eine Sache der freien persönlichen Entscheidung, sondern eine behandlungswürdige Abhängigkeit ist.
Diagnose
Die Diagnose „Tabakabhängigkeit“ wird gestellt, wenn mindestens drei der folgenden sechs Kriterien des ICD -10 in den letzten zwölf Monaten vorhanden waren:
Ein starker Wunsch oder Drang zu rauchen
Die eingeschränkte Kontrolle über den Beginn, die Beendigung und der Menge des Tabakkonsums
Eine körperliche Entzugserscheinung bei Beendigung oder Reduktion des Konsums wie depressive Verstimmung, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörung, Ärger, Unruhe
Toleranzentwicklung: um eine Wirkung zu erzielen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich
Zunehmende Vernachlässigung anderer Aktivitäten und Interessen zugunsten des Konsums
Anhaltender Konsum trotz des Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen
Droge Nikotin
Nikotin ist hochgiftig. Bereits 50 mg des Nervengifts, in reiner Form zugeführt, sind für den Menschen tödlich. Mit dem inhalierten Rauch einer Zigarette gelangen rund ein bis zwei Milligramm Nikotin ins Blut und erreichen binnen sieben Sekunden das Gehirn. Dort tritt sofort die gewünschte Wirkung ein: je nach persönlicher Ausgangslage aktivierend und stimulierend oder entspannend oder beruhigend.
Dieser schnell erreichte Kick bewirkt ein kurzes Gefühl der Belohnung. Wenn der zugeführte Nikotinspiegel wieder absinkt, ruft das Belohnungssystem im Gehirn wieder nach der Droge.
Das Gehirn verlernt, Lustgefühle allein zu erzeugen. Es kann kaum noch ein normales Wohlbefinden ohne Droge herstellen.
Das Rauchen ist zudem mit bestimmten Verhaltensweisen und Alltagstätigkeiten (z.B. Rauchen zum Kaffee, Rauchen nach dem Essen, Rauchen in Stresssituationen) verbunden – die oft den Start in ein rauchfreies Leben erschweren. Eine wichtige Stütze dabei ist, gute Alternativen für jene Situationen zu finden, die früher mit dem Rauchen kombiniert waren.
Inhaltsstoffe
Im Tabakrauch wurden bisher mehrere tausend Substanzen gefunden und davon mehrere hundert chemisch identifiziert. Neben Nikotin und Kohlenmonoxid enthält Zigarettenrauch eine Vielzahl krebserregender Stoffe, etwa 24 verschiedene Metalle (u.a. Cadmium) und Freie Radikale.
Nikotin
Nikotin ist der Hauptwirkstoff im Zigarettenrauch und die Substanz, die süchtig macht. Das Nikotin gelangt innerhalb von sieben Sekunden in das Gehirn, wo es sich an die so genannten Nikotinrezeptoren bindet. Durch seine chemische Struktur wirkt es wie ein natürlicher Botenstoff in den Nervenzellen und kann im Gehirn Entspannung, Glücksgefühle sowie Aufgeregtheit erzeugen. Von diesen erlebten positiven Effekten geht die hohe Suchtgefahr des Nikotins aus.
Durch weiteren Tabakkonsum wird die körperliche Toleranz gegenüber Nikotin gesteigert und es kommt zur Gewöhnung. Gleichzeitig stimuliert Nikotin einen Bereich im Gehirn, der für Lernvorgänge verantwortlich ist. Der Gewöhnungsprozess wird somit durch die Verbindung von Rauchen und bestimmten Verhaltensweisen (z.B. Rauchen zum Kaffee, Rauchen nach dem Essen, Rauchen in Stresssituationen) gesteigert bzw. gefestigt. Im weiteren Verlauf entsteht eine vergleichbare psychische Abhängigkeit wie z.B. bei Heroin oder Kokain.
Viele Raucher/innen sind sich einig, dass Rauchen „wach“ macht (v.a. die erste Zigarette am Morgen) und entspannt, besonders in Stresssituationen. Andere wiederum haben das Gefühl, dass die Zigarette ihre Stimmung verbessert und die Konzentration steigert. Abhängig von der Ausgangslage kann Nikotin stimulierend oder beruhigend wirken.
Kohlenmonoxid
Kohlenmonoxid ist ein unsichtbares, geruchloses, sehr giftiges Gas, das bei der Verbrennung des Tabaks entsteht. Durch den Rauch wird es über die Lunge ins Blut aufgenommen. Dort blockiert es den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Die Folge ist eine Minderversorgung des Gewebes mit Sauerstoff. Das Kohlenmonoxid wird in direkten Zusammenhang mit der erhöhten Erkrankungsrate von degenerativen Gefäßerkrankungen wie z.B. Arteriosklerose, Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Raucherinnen und Rauchern gebracht.
Krebserregende Substanzen
Tabakrauch ist ein Gemisch aus Tausenden von Substanzen, darunter 90 Stoffe, die nachgewiesenermaßen Krebs erzeugen (Kanzerogene) oder die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. Es ist daher oft schwer zu erkennnen, welche davon für die Krebserkrankungen durch Rauchen verantwortlich sind. Große Bedeutung kommen jedoch den N – Nitrosaminen, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (u.a. Benzo[a]pyren), Polonium-210 und Benzol zu.
Mehr dazu: Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Krebserregende Substanzen im Tabakrauch, Heidelberg, 2009
Cadmium
Das Element Cadmium ist ein besonders gefährlicher Schadstoff, da es vom Körper sehr langsam ausgeschieden wird. Die tägliche Aufnahmemenge ist zwar gering, jedoch reichert sich mit der Zeit so viel Cadmium im Körper an, dass eventuell organschädliche Konzentrationen erreicht werden können.
Tabakpflanzen sind Cadmiumsammler und Zigarettenrauchen ist daher eine selbst gewählte (zusätzliche) Quelle für das Gift. Daraus resultiert, dass die Cadmium-Belastung einer Raucherin bzw. eines Rauchers doppelt so hoch ist wie die einer Nichtraucherin bzw. eines Nichtrauchers.
Freie Radikale
Wie alle Verbrennungsprodukte enthält auch Zigarettenrauch Freie Radikale. Sie schädigen die Atemorgane und sind ursächlich an der Entwicklung von Arteriosklerose beteiligt. Freie Radikale sind umso gefährlicher für Raucher/innen, da ihr natürlicher Schutz vor ihnen zusätzlich vermindert ist.
rauchfrei.at
